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Auch ein ERLEBNIS RHEIN: Die Waal-Brücke „De Oversteek“ ist Nijmegens neues Wahrzeichen. Sie überspannt eine künstliche Waal-Insel, die im Zug des Hochwasserschutzprogramms „Raum für den Fluss“ angelegt wurde. Fotografie: Hans Lurweg

Im Herbst 2017 widmet der Mitherausgeber des Magazins Industriekultur, Dr. Alexander Kierdorf, dem Bildband ERLEBNIS RHEIN eines seiner „Lesezeichen“. Er schreibt:

„Noch ein Buch über den Rhein? Aber ja, denn dieses sticht aus vielen Hochglanz-Publikationen heraus. Die auf 144 Seiten versammelten, oft doppelseitigen Farbfotos sind keine hastig zusammengestellten Fundstücke aus diversen Bildarchiven, sondern das Ergebnis einer langjährigen und zeitaufwendigen Be­reisung des Flusses von seinen hochalpinen Quellen bis zur Nordsee. Der Fotograf wählte für seine Arbeit ganz unterschiedliche Stand­punkte – mal auf Uferhöhe, manchmal auch auf dem Wasser; ausgesprochen spektaku­lär aber sind die zahlreichen Luftaufnahmen. Das Interesse gilt jedoch nicht nur dem gro­ßen Strom als Naturphänomen – auch seine technische Bändigung und seine Nutzung, die weiträumigen Anlagen von Industrie und Lo­gistik werden mit gleicher Sorgfalt erkundet und dokumentiert. Dabei werden Natur und Technik nicht als Gegensätze, sondern in ihrer Verzahnung und wechselseitigen Abhängigkeit geschildert. Jedes Foto ist zugleich wie ein tra­ditionelles Landschaftsgemälde liebevoll kom­poniert und in seinen grafischen und farblichen Komponenten sorgfältig gestaltet. Neben die Landschaftsbilder treten – teilweise in Serien -Details und Einzelmotive. Obwohl nicht aus­drücklich Thema, werden zahlreiche industrie­historische Spuren gezeigt; es dominiert aber die heutige „Industriekultur“ mit ihren Contai­nerterminals, Hafen- und Brückenanlagen und der Großindustrie am Strom, gesehen mit den Augen eines Menschen, der sich die Liebe und Faszination nicht von negativen Entwicklungen beeinträchtigen lassen will. In dieser Hinsicht kann sich jeder Betrachter sein eigenes Urteil bilden. Der Fotograf – im Berufsleben Wirt­schaftsprüfer am rechten Niederrhein – erlaubt sich und uns eine ästhetische und sinnliche An­näherung, die implizit auch nach den Gründen für die mitunter irrationalen Kämpfe um diesen Strom im Herzen Europas fragt. Dem stellt er sowohl die immer wieder beeindruckenden Landschaften entlang des Flusses, aber auch das rege, heute durch Grenzen kaum noch be­einträchtigte Arbeiten und Leben am und auf dem Fluss gegenüber, das ganz gegenwärtig ist und damit einen natürlichen Kontrapunkt zur vielbeschworenen Rheinromantik bildet.“

Industriekultur erscheint viermal im Jahr im Essener Klartext Verlag für das LVR-Industriemuseum im Landschaftsverbad Rheinland und das LWL-Industriemuseum des Landschaftsverbands Westfalen-Lippe. Das Magazin ist der Beweis dafür, wie spannend die industrielle Geschichte der Region erlebt werden kann, wenn nicht bloß die Asche verwahrt wird.